Kann Vitamin D die Überlebenschancen bei Krebs verbessern? Darüber wird seit Jahren diskutiert. Während frühere Studien keinen eindeutigen Nutzen zeigen konnten, liefert eine große Auswertung von Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Hinweise darauf, dass die Art der Einnahme eine entscheidende Rolle spielen könnte.
von Mara Pallokat
Krebs zählt nach wie vor zu einer der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sterben jedes Jahr rund 230.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Gleichzeitig ist ein Vitamin-D-Mangel weitverbreitet: Rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland unterschreiten die empfohlenen Werte.
Forscher des DKFZ werteten 2023 die Daten von mehr als 100.000 Krebspatienten aus verschiedenen Studien neu aus. Dabei untersuchten sie, ob die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten während oder bereits vor einer Krebserkrankung einen Einfluss auf die Sterblichkeit haben könnte. Besonders interessant war der Vergleich unterschiedlicher Einnahmeformen. Wurden hohe Vitamin-D-Dosen nur gelegentlich verabreicht, zeigte sich kein Einfluss auf die Krebssterblichkeit. Anders sah es bei einer regelmäßigen täglichen Einnahme kleiner Mengen aus: In diesem Fall verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, um zwölf Prozent. Als mögliche Erklärung nennen die Wissenschaftler das Hormon 1,25-Dihydroxyvitamin D, das bei der Verarbeitung von Vitamin D im Körper entsteht. Es könnte das Wachstum von Tumoren hemmen. Bewiesen ist dieser Mechanismus allerdings noch nicht.
„Diese Reduktion der Krebssterblichkeit haben wir nach ungezielten Vitamin-D3-Gaben an Personen mit und ohne Vitamin-D-Mangel beobachtet. Wir können daher davon ausgehen, dass der Effekt für Menschen, die tatsächlich unter Vitamin-D-Mangel leiden, erheblich höher ist“, sagt Dr. Ben Schöttker, Epidemiologe am DKFZ. Besonders deutlich profitierten in der Auswertung Menschen ab 70 Jahren. Außerdem war der Effekt am stärksten, wenn die regelmäßige Einnahme von Vitamin D bereits vor einer Krebserkrankung begonnen hatte.
Die Ergebnisse ordnen sich auch in den aktuellen Forschungsstand ein. Sowohl das DKFZ als auch der Krebsinformationsdienst betonen, dass Vitamin D nach derzeitigem Wissensstand nicht davor schützt, überhaupt an Krebs zu erkranken. Es gibt aber Hinweise darauf, dass eine regelmäßige, niedrig dosierte Einnahme die Krebssterblichkeit unter bestimmten Voraussetzungen senken könnte – insbesondere bei Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt dennoch keine pauschale Einnahme von Vitamin-D-Präparaten. Ob eine Supplementierung sinnvoll ist, sollte ein Arzt klären.

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