Stefan Kornelius von der Süddeutschen sieht in Angela Merkel und ihrer transatlantischen Fixierung die Rettung der Welt. Tatsächlich werden kommende Generationen die Folgen ihrer heutigen Politik ausbaden müssen.
von Willy Wimmer und Wolfgang Effenberger
Am Sonntag, dem 28. Mai 2017, heizte Angela Merkel in einem Münchner Bierzelt ihrer vor Maßkrügen sitzenden und von Blasmusik eingerahmten Glaubensgemeinde so richtig ein:
„Die Zeiten, in den wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, und deshalb kann ich nur sagen, wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“
Die Folgen dieses sicherlich nicht gedankenlos hingeworfenen Bierzelt-Satzes sind für Europa nicht abzusehen.
Die auf den öffentlichen Kampf gegen Trump eingeschworenen US-Mainstream-Medien nahmen Merkels Äußerung dankbar auf und begrüßten sie als eine Art Fanfarenstoß zur Rettung der westlichen Welt. Mit derartigem Auftrieb unter den Flügeln schraubte sich Stefan Kornelius in der Süddeutschen Zeitung mit seinem Kommentar “Merkels Weltenplan” wie einst Ikarus in hymnische Höhen. Dem Licht der Wahrheit halten seine Flügel aber nicht stand.
Für Kornelius ist das transatlantische Verhältnis in einem Ausmaß erschüttert, “wie es nicht mal die Enthüllungen Edward Snowdens vermocht hatten”. Er sieht in Merkel und Trump intellektuelle Antipoden.
„Was der eine denkt und sagt, käme der anderen nicht einmal in den Sinn, geschweige denn, dass sie darüber reden würde… Merkel weiß, was ihre Worte bewegen können, deswegen geht sie sorgsam mit ihnen um.“
Kritik an Trump verstummt nur, wenn er Krieg führt
Für Trumps erstes Kriegsverbrechen, den Angriff auf einen syrischen Flugplatz Anfang April, fand Merkel lobende Worte und Kornelius schrieb: “Der neue US-Präsident mag keinen Plan haben, er mag emotionsgeleitet sein, er mag unfähig sein. Aber dennoch hat der Militärschlag in Syrien gezeigt: Sein Instinkt stimmt.”
Instinkt? Der Machtinstinkt vielleicht, in dessen Diensten die Regierung Obama das Chaos im Nahen Osten vorsätzlich mitverursacht hat.

Das brutale Urteil der Kanzlerin, “Amerika ist unberechenbar”, richtet sich für Kornelius vor allem an die Wähler, denen die Worte auch eine Art Immunschutz gegen eine antiamerikanische Infizierung verpassen sollten. Er erinnert in diesem Zusammenhang an den Wahlkampf 2002, als Kanzler Schröder aus der blinden Gefolgschaft gegenüber den USA ausscherte und nicht am illegalen Krieg gegen den Irak teilnehmen wollte.
Ist denn die Weigerung, an einem völkerrechtswidrigen Krieg teilzunehmen, bereits antiamerikanisch








