“Der Spiegel” scheint endgültig in der publizistischen Gosse angekommen zu sein. Geht es nach den Schmutzliteraten beim ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg, dann verbluten deutsche Soldaten bald wieder zu Hunderttausenden auf den Schlachtfeldern an Wolga und Don, zumindest wird das subtil und unterschwellig zwischen den Zeilen propagiert.
von Tarik Cyril Amar
Zum Jahrestag des “Unternehmens Barbarossa”, so die deutsche Bezeichnung für den Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, hat Deutschlands zwar im Niedergang begriffenes, aber nach wie vor dominantes Mainstream-Nachrichtenmagazin Der Spiegel dem letzten offenen Krieg Berlins im – wie die Deutschen damals zu sagen pflegten – “Osten” eine lange Titelgeschichte und ein reißerisches Titelbild gewidmet. So weit, so erwartet. Es besteht schließlich kein Zweifel daran, dass dies ein ebenso historisches wie schreckliches Ereignis war.
Mit ihrem Überraschungsangriff, bei dem Millionen von Soldaten zum Einsatz kamen und der ausdrücklich auf einen Vernichtungskrieg abzielte, versuchten jene Deutschen von damals, ein “Lebensraum”-Imperium der Hölle zu errichten, das auf mehreren vorsätzlichen Völkermorden (darunter einem an sowjetischen Kriegsgefangenen), einer Kriegsführung ohne jegliche rechtlichen oder moralischen Beschränkungen sowie einer Ideologie der Vorherrschaft beruhte, die jeden Überlebenden unter den Besiegten als Sklaven minderwertiger – wenn überhaupt noch vorhandener – Menschlichkeit abgestempelt hätte.
Hätten zudem jene Deutschen, die vor 85 Jahren angriffen, im “Osten” gesiegt, hätte ihre Form des völkermörderischen Faschismus – offiziell als Nationalsozialismus bezeichnet – eine realistische Chance gehabt, zu überleben und sogar (zumindest) in weiten Teilen Eurasiens die Vorherrschaft zu behalten. Denn der überwiegende Teil der deutschen Streitkräfte wurde vom sowjetischen Militär vernichtet. Wäre dies nicht geschehen, würden wir heute vielleicht alle in einer ganz anderen, sogar noch schlimmeren Welt leben.
Es stand nicht nur für Europa, sondern für die gesamte Menschheit so viel auf dem Spiel, wie es nur möglich war. Deshalb gehört die Niederlage des deutschen “Unternehmens Barbarossa” zu den wichtigsten Ereignissen der Weltgeschichte. Die Deutschen wurden nicht durch eine Kombination aus schlechtem Wetter, schlammigen Straßen und eigenen dummen Fehlern aufgehalten, wie manche in seliger Unwissenheit und mit mehr als nur einem Hauch rassistischer Arroganz vielleicht immer noch glauben wollen. Was das faschistische deutsche Streben nach Weltmacht zunichtemachte, war die Sowjetunion mit der Führungsstärke ihrer Generäle – die nach anfänglichen Rückschlägen schnell lernten, die Deutschen taktisch und strategisch zu übertrumpfen –, der überragenden Tapferkeit ihrer Soldaten sowie der unvorstellbaren Standhaftigkeit und Organisation ihrer Heimatfront.
Doch der Preis war hoch. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Berlin beschlossen hatte, einen Vernichtungskrieg zu führen, waren die Verluste auf sowjetischer Seite verheerend: 27 Millionen Tote (Soldaten und Zivilisten) und eine damit einhergehende Welle massiver wirtschaftlicher Zerstörung, sozialer Entwurzelung sowie physischer und psychischer Massentraumatisierung.
Das ist – kurz gesagt – der historische Hintergrund für die aktuelle Titelgeschichte des Spiegel, sein Titelbild und den Aufruhr, den beides ausgelöst hat. Im Wesentlichen hat ein eintöniger Chor von Kritikern – in Deutschland wird wieder einmal im intellektuell langweiligen Gleichschritt gehandelt – dem Spiegel vorgeworfen, das Leid derjenigen in der Sowjetunion zu verschleiern, die nicht ethnisch russisch waren, wie zum Beispiel Weißrussen oder natürlich Ukrainer. Indem der Spiegel auf seinem Titelblatt (vor dem Hintergrund von Nazi-Soldaten) “Unser Krieg gegen Russland” – und nicht “die Sowjetunion” – in großen Lettern abgedruckt hat, so argumentieren diese Kritiker, habe er faktisch Russland und die Russen privilegiert. Die Frage, die einige von ihnen stellen, lautet: Hat der Spiegel diesen Titel aus Unwissenheit gewählt, oder – was wahrscheinlich noch schlimmer wäre – um genau die empörten Reaktionen und die Hysterie zu provozieren, die er nun erntet? Skandale verkaufen sich gut.
Wie viele schnell verbreitete Meinungen, die der Herdenmentalität entspringen, ist auch die oben genannte Sichtweise bemerkenswert oberflächlich und irreführend. Zunächst einmal stimmen der Titel auf dem Titelblatt und der des eigentlichen Artikels im Magazin nicht überein. Letzterer lautet “Der deutsche Vernichtungskrieg”. Und wie Sie vielleicht vermuten, geht der Artikel lobenswerterweise zumindest auf einige der ungeheuren Verbrechen ein, die Deutschland begangen hat, darunter beispielsweise den massiven Einsatz von Zwangsarbeite










