Während unsere Generation lernt, wie man in Mediationsgesprächen den eigenen Verteidigungsinstinkt abtrainiert und sich danach in Selbsthass suhlt wie ein Aasfresser im Kadaver, lernt eine andere Generation, wie man kämpft und tötet. Machen wir uns nichts vor: Über 70 Jahre angloamerikanische Umerziehung haben deutliche Spuren hinterlassen. Wir müssen endlich wieder lernen, böse zu sein!
von Maria Schneider
Deutschland ist eine infantilisierte Nation. Es ist keine Seltenheit, dass wohlsituierte 60-jährige Frauen noch immer nicht verwunden haben, dass der Bruder von den Eltern bevorzugt wurde und auf’s Gymnasium durfte. So gemein! Andererseits haben die gleichen wohlsituierten Damen kein Problem damit, kleine Aldikassiererinnen oder Servicekräfte an ihren Platz zu verweisen. Diese Damen haben (fast) alles – außer einer Familie, denn keiner der ihnen dargebotenen Männer vermochte die anspruchsvollen Kriterien dieser modernen Prinzessinnen erfüllen. Drei bis 5 Abtreibungen im Laufe von Dutzenden von Affären sind keine Seltenheit, bis sie schließlich feststellen, dass sie zwar „Karriere“ gemacht haben, die Luxuswohnung aber leer und öde ist, wenn sie nach Hause kommen. Auch die Männer zum schnellen Gebrauch machen sich mit zunehmendem Alter rar. Zum Glück kann man – wie schon in den letzten Jahrzehnten – dem bildungsgeförderten Bruder und den Eltern die Schuld am verkorksten, narzisstischen Leben vorwerfen, ohne sich selbst hinterfragen oder erwachsen werden zu müssen.
Ganz gleich, ob solche Damen ihren finanziell sorgenfreien Status mit hochwertiger Kleidung präsentieren oder mit überteuerten Hippie-Lumpen kaschieren – bei gelegentlichen Unterhaltungen über Massenmigration und notwendige Rückführungen zeigt sich stets der gleiche, infantile Pawlowsche Reflex: Wahlweise fangen die echten Perlen (wertvolles Erbstück der Großmama!) am dünndiätierten Truthahnhals empört zu klappern an oder die Altrevoluzzerin, die sich ihres Wohlstands schämt, schüttelt voll Abscheu ihre verlausten Rastalocken. Denn in einem sind sich die verwöhnten Damen in den zu 99 Prozent rein deutschen Villenbiotopen einig: Vehement und mit moralischer Entrüstung wird auch nur der leiseste Gedanke an Grenzschutz, Passkontrolle oder gar Abschiebung (übergroßes Sündenwort!) abgewehrt. Denn wer will sich schon auf die Seite der Bösen schlagen und erneut Falten im erst kürzlich gestrafften Gesicht riskieren?
Metaphorische Kastraten und dressierte Männer
Darüber hinaus steigt in den Damen und ihren metaphorisch kastrierten, dressierten Männer mit Wackelpuddingmuskeln und mittlerweilse voll ausgelebter, weiblicher Seite bei Worten wie „Grenzschutz“ und „Rückführung“ automatisch die Angst auf, dass man ihnen ihre Natascha, ihren netten Gemüsemann und das leckere indische Restaurant wegnimmt. Dieser Angstreflex wurde unter anderem jahrzehntelang durch Hollywood- und Indiefilme antrainiert.
- „Schütze die Schwachen und Armen! Wenn Du dies nicht tust, bist Du ein böser Mensch.“
- „Du hast einfach Glück gehabt, dass Du hier geboren bist. Andere haben auch das Recht auf Glück. Wie kannst Du es ihnen nur durch Grenzschutz vorenthalten wollen?“
- „Diese Menschen fliehen vor Krieg und Elend. Du bist persönlich dafür verantwortlich! Nicht die Waffenindustrie, nicht die supranationalen Organisationen, nicht irgendwelche Milliardäre (obwohl Du allen drei Interessengruppen so gleichgültig wie der sprichwörtliche Sack Reis in China bist)!“
- „Du musst all dies Elend und die Kosten für die Migration auf Deinen Schultern tragen, weil Du gut bist, weil Du edel bist, weil du kein Schwein sein willst, weil Du nicht böse bist!“
Wenn ich dann einwerfe, dass binationale Ehen doch gar nicht das Thema und erst recht nicht das Problem sind, sondern die aufgezwungene Massenmigration, bleibt die große Angst in den Gesichtern bestehen. Angst, als osteuropäische Ehefrau abgeschoben zu werden. Angst, den besten Türkenfreund zu verlieren. Und, das Entscheidende: Die übergroße, irrationale Angst davor, für den Tod, die Inhaftierung usw. des Abgeschobenen verantwortlich zu sein. So etwas ist für den durch Dauerpropaganda windelweich gefolterten Deutschen nicht einmal denkbar, geschweige denn durchführbar. Denn jeder Gedanke an so etwas wird durch implantierte Dogmen sofort gestoppt und führt zu Handlungslähmung oder Aggression gegenüber der Person, die so etwas vorbringt, weil man den Konflikt zwischen den implantiereten Dogmen und den eigenen, echten Gefühlen nicht aushalten will oder kann. Da haben die Akteure der Propaganda wirklich ganze Arbeit geleistet. Meinen Glückwunsch!
Zur Erinnerung – die Dogmen lauten: „Du willst gut sein. Du willst edel sein. Du willst kein Schwein sein. Und: Du willst nicht böse sein.“ Ich habe mir über diese infantilen, reflexartigen Fehleinordnungen der Zuwanderungsdebatte lange den Kopf zerbrochen und neben der Dauerpropaganda fünf Gründe gefunden, warum es mit vielen Deutschen schlicht nicht möglich ist, sachlich und pragmatisch über die reale Problematik zu diskutieren.
Korrumpiert durch persönliche Beziehungen
- Erstens sind wir korrumpiert durch langjährige, persönliche Beziehungen mit hochassimilierten Ausländern, die seit Jahrzehnten hier leben und zu vorbildlichen Mitbürgern geworden sind, lange bevor es so etwas wie Integrationsbeauftragte gab. Sie haben ihre Pflicht zur Integration und Leistung wahrgenommen und unserer Gesellschaft Nutzen gebracht, auch wenn uns die italienischen und türkischen Gastarbeiter schon damals unnötigerweise aufgezwungen wurden, ohne dass wir als Volk nach unserer Meinung gefragt worden wären. Die heutigen, aggressiven, bildungsfernen Migranten aus Nahost oder Afrika sind jedoch nicht im entferntesten mit den assimilierten Nachkommen dieser Gastarbeiter zu vergleichen.
- Zweitens haben wir dadurch die wichtige Unterscheidung zwischen subjektiv-persönlichem und nationalem Wohl verlernt, da wir schon so lange mit Ausländern zusammenleben mussten. Sowohl Wehrhaftigkeit als auch ein gesundes Grundmißtrauen gegenüber dem Fremden sind uns systematisch abtrainiert worden; dass uns Fremde auch feindlich gesinnt sein können, vermögen sich die meisten nicht mehr vorzustellen. Jeder, der über die Grenze kommt, muss heutzutage statt dessen als „Geschenk“ angesehen werden.
- Drittens kommen erschwerend die unverarbeiteten Kriegstraumata (Gewalterfahrungen von Soldaten, Bombenkrieg, Vert








