Die Kriege des Westens in Europa und Nah- und Fernost haben unter anderem das Ziel, durch einen militärischen Enthauptungsschlag einen Machtwechsel in den jeweiligen Ländern zu erreichen. Steht uns ein Atomkrieg bevor? Und wo bleibt die Friedensbewegung?
von Peter Hänseler und Andreas Mylaeus
Der Westen verliert seine militärischen Kriege in Europa und in Nahost. Russland zermalmt inzwischen schon die dritte von der NATO ausgerüstete und vom Westen finanzierte „ukrainische“ Armee. Der iranische Gegenschlag gegen die USraelische Aggression hat Israel kürzlich derart zerstört, dass weitere offene Kriegshandlungen des Westens gegen den Iran vorläufig eingestellt werden mussten. Die westliche Luftabwehr hatte und hat gegen die überlegenen russischen und iranischen Raketen und Drohnen keine wirksamen Mittel. Infolgedessen hat der Westen in der konventionellen Kriegsführung keine Möglichkeit der Eskalationsdominanz mehr. Diese liegt inzwischen vollständig bei Russland und dem Iran.
Da aber die westlichen Kriegsziele des Regimechange in Russland (um das Land anschliessend filletieren und auswaiden zu können) und im Iran (um den Nahen Osten wieder beherrschen zu können) nicht aufgegeben werden, müssen sich die betreffenden Länder weiterhin darauf einstellen, mit entsprechenden Enthauptungsschlägen überzogen zu werden. Als militärisches Mittel bleibt dem Westen dafür neben Geheimdienstaktionen letztlich nur der Einsatz von Atomwaffen, weil seine konventionellen Waffen versagen.
Vor diesem Hintergrund hat Dmitri Medwedew (2008–2012 Präsident der Russischen Föderation, 2012–2020 Ministerpräsident Russlands, seit 2020 stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates) als Antwort auf Provokationen von Donald Trump in einem Post vom 31. Juli 2025 darauf hingewiesen, dass Russland immer noch defensive Mittel gegen einen amerikanischen Erstschlag mit Atomwaffen hat. Donald Trump hat daraufhin mit einer atomaren Eskalation im U-Boot-Krieg geantwortet. Steuern wir also wirklich auf eine atomare Eskalation zu, an deren Ende die Zerstörung der Welt steht oder handelt es sich um einen Sturm im Wasserglas? Aus unserer Sicht: weder – noch. Eine Analyse.
Social Media Hick-Hack mit ernstem Hintergrund
Im hybriden Krieg gegen Russland und gegen diejenigen, die Donald Trump als Russland-Unterstützer ansieht, hat er am 30. Juli 2025 auf Truth Social eine 25 % Importsteuer auf Waren aus Indien ab 1. August angekündigt, begründet unter anderem durch Indiens Energie- und Rüstungskäufe aus Russland. Zugleich drohte er mit Sekundärsanktionen (Secondary Tariffs) von bis zu 100 %, falls Indien oder andere Länder weiterhin russisches Öl importieren, sofern Russland nicht bis etwa 8. August einer Waffenruhe zustimmt.
Dmitri Medwedew bezeichnete Trumps Ultimaten nicht nur als Drohung, sondern konkret als Erpressung und warnte eindringlich vor einer möglichen Eskalation des Konflikts. In einem Post auf X (früher Twitter) schrieb er:
„Die Sprache der Ultimaten, der Erpressung und der Drohungen ist für uns unannehmbar.“
Er ergänzte später, der US-Präsident spiele ein gefährliches „Ultimatums-Spiel“, das zunehmend zum Risiko werde – nicht nur für Russland, sondern auch für die USA selbst, denn:
„Jedes neue Ultimatum ist eine Bedrohung und ein Schritt in Richtung Krieg. Nicht mit Russland oder der Ukraine, sondern mit seinem eigenen Land.“
Trumps Antwort kam prompt auf Truth Social (30./31. Juli 2025):
„Es ist mir egal, was Indien mit Russland macht. Von mir aus können sie ihre ‚toten Volkswirtschaften‘ gemeinsam zugrunde richten. (…) Russland und die USA machen fast keine Geschäfte miteinander. Das soll auch so bleiben, und Medwedew, der gescheiterte ehemalige Präsident Russlands, der sich immer noch für den Präsidenten hält, soll aufpassen, was er sagt. Er begibt sich auf sehr gefährliches Terrain!“
Medwedew antwortete per Telegram am 31. Juli 2025 (kommentiert mit einem lachenden Emoji):
„Wenn ein paar Worte des ehemaligen Präsidenten Russlands eine derart nervöse Reaktion des mächtigen US-Präsidenten hervorrufen, dann muss Russland völlig im Recht sein (…). Und was die ‚toten Volkswirtschaften‘ Indiens und Russlands und das ‚Betreten gefährlichen Terrains‘ angeht – vielleicht sollte er sich noch einmal seine Lieblings-Zombiefilme ansehen und sich daran erinnern, wie gefährlich die mythische „tote Hand“ sein kann.“
Darauf folgte diese Ansage von Donald Trump:
„Aufgrund der äußerst provokativen Äußerungen des ehemaligen Präsidenten Russlands, Dmitri Medwedew, der nun stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats der Russischen Föderation ist, habe ich angeordnet, zwei Atom-U-Boote in den entsprechenden Regionen zu positionieren, für den Fall, dass diese törichten und aufwieglerischen Äußerungen mehr als nur das sind. Worte sind sehr wichtig und können oft zu unbeabsichtigten Folgen führen. Ich hoffe, dass dies nicht einer dieser Fälle sein wird.
Die mythische „tote Hand“
Die Tote Hand (englisch Dead Hand oder russisch Мёртвая рука, offiziell Система «Периметр», deutsch System „Perimeter“‘) ist ein Atomwaffen-Führungssystem der früheren Sowjetunion und jetzt Russlands, das seit den 1980er Jahren existiert. Es handelt sich um ein automatisiertes Kontrollsystem, das im Falle eines nuklearen Enthauptungsschlags, der die Führung des Landes aktionsunfähig macht, automatisch oder semi-automatisch einen allumfassenden Gegenschlag auslösen soll (eine mythische „tote Hand“ kann noch zurückschlagen).
Im Fall eines nuklearen Angriffs wird überprüft, ob es massive seismische oder nukleare Detonationen gibt, ob Kommunikationsverbindungen zur Führung unterbrochen wurden, ob bestimmte militärische Bedingungen eingetreten sind. Wenn nach der Aktivierung alle Kriterien erfüllt sind und kein menschlicher Gegenschlagsbefehl erfolgt, startet Perimetr eine oder mehrere spezielle Kommandoraketen. Diese fliegen über russisches Territorium und senden Startbefehle an alle verbliebenen strategischen Atomwaffen – land-, see- oder luftgestützt. Es ist also eine Art „letzter automatischer Schlag“, selbst im Fall des vollständigen Führungsverlustes.
Mit anderen Worten, Medwedew erinnert die USA daran, dass sie nach einem eventuellen nuklearen Angriff auf Russland nicht straflos davonkommen, sondern dass dies auch deren eigene vollständige Vernichtung bedeuten würde – eine klare Warnung gegen einen nuklearen Erstschlag der USA und keine russische aktive Drohung mit Atomwaffen, wie dies in den westlichen Medien propagiert wird.
Haben die Russen Anlass, dem Westen eine solche Drohung zukommen zu lassen? Die Antwort ergibt sich aus der amerikanischen Nuclear Weapons Employment Planning Guidance. Dies ist eine verschlüsselte Direktive, vom US-Präsidenten genehmigt – zuletzt von Joe Biden im Frühjahr 2024, die festlegt, wie das Verteidigungsministerium Doktrinen und Optionen für einen möglichen Atomwaffeneinsatz entwickelt.
Nuclear Weapons Employment Planning Guidance
Scott Ritter – ehemaliger US-Geheimdienstoffizier und ehemaliger UNSCOM-Inspektor – hat wiederholt und in den letzten Jahren verstärkt darauf hingewiesen, dass es innerhalb der US-Verteidigungs‑ und Planungsbürokratien eine Haltung gebe, die auf einen potenziell „gewinnbaren“ nuklearen Konflikt hinarbeitet.
Ritter erinnert in diesem Zusammenhang unter anderem an Äusserungen von Rear Admiral Thomas R. „T.R.“ Buchanan. Buchanan ist seit Juni 2024 der Leiter der Plans & Policy Directorate (J5) beim United States Strategic Command (USSTRATCOM), wo er maßgeblich in die Planung und Festlegung der US-Nuklearstrategie eingebunden ist. Dieses Direktorat ist verantwortlich für die Erarbeitung und Pflege der nationalen Nuklearstrategie, insbesondere für die Erstellung und Aktualisierung der nuklearen Einsatzpläne, die dem Präsidenten im Falle einer Eskalation zur Verfügung stehen, die Ausarbeitung von Planungsoptionen entsprechend den Vorgaben von Präsident, Verteidigungsminister und Chief of the Joint Staff und die kontinuierliche Analyse und Bewertung militärischer Szenarien und deren Einbindung in die strategische Planung.
Scott Ritter berichtet wie folgt: Am 20. November 2024 sei Admiral Buchanan Hauptredner auf der Konferenz des Center for Strategic and International Studies zum Thema Nuklearfragen in Washington, DC, gewesen, wo er auf seine Erfahrungen als Verantwortlicher für die Umsetzung der Vorgaben des Präsidenten in die Vorbereitung und Durchführung der Nuklearkriegspläne der Vereinigten Staaten zurückgriff.
Auf die Frage nach dem Konzept des „Gewinnens“ eines Atomkrieges antwortete Buchanan:
„Das ist sicherlich komplex, denn wir gehen viele verschiedene Wege, um darüber zu sprechen, wie die Lage der Vereinigten Staaten nach einem atomaren Schlagabtausch aussehen würde. Und das ist ein Szenario, das wir vermeiden möchten, nicht wahr? Wenn wir also über nicht-nukleare und nukleare Fähigkeiten sprechen, wollen wir sicherlich keinen Austausch, oder?”
Richtig. Es wäre am besten gewesen, wenn er hier einfach aufgehört hätte. Aber Admiral Buchanan fuhr fort.
„Ich denke, alle würden zustimmen, dass wenn wir einen Austausch haben müssen, wir dies zu Bedingungen tun wollen, die für die Vereinigten Staaten am akzeptabelsten sind. Es sind also Bedingungen, die für die Vereinigten Staaten am akzeptabelsten sind, die uns in die Lage versetzen, weiterhin eine Führungsrolle in der Welt zu spielen, richtig? Wir werden also weitgehend als Weltführer angesehen. Und sind wir in einem Bereich, in dem wir Verluste in Kauf genommen haben, weltweit führend? Die Antwort lautet nein, oder? Es würde also bis zu einem Punkt gehen, an dem wir ausreichende Kapazitäten aufrechterhalten müssten – wir müssten über ausreichende Kapazitäten verfügen. Wir müssten über Reservekapazitäten verfügen. Man würde doch nicht alle Ressourcen aufwenden, um zu gewinnen, oder? Denn dann hätte man an diesem Punkt nichts mehr, womit man abschrecken könnte.“
Aus dieser Aussage lassen sich nach Ritter zwei Dinge ableiten. Erstens die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten glauben, einen nuklearen „Austausch“ mit Russland führen und gewinnen zu können.
Zweitens die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten einen Atomkrieg mit Russland nicht nur gewinnen, sondern gleichzeitig auch noch genügend strategische Nuklearkapazitäten behalten zu können, um den Rest der Welt davon abzuhalten, nach dem Atomkrieg mit Russland in einen weiteren Atomkrieg einzutreten.
Einen Atomkrieg mit Russland zu „gewinnen“ bedeutet danach für die Vereinigten Staaten, dass sie einen Plan haben, nicht nur um den Krieg zu gewinnen, sondern auch einen Plan, der es den Vereinigten Staaten ermöglicht, genügend Atomwaffen in ihrem Arsenal zu behalten, um durch die Aufrechterhaltung ihrer Doktrin der nuklearen Abschreckung nach einem Atomkrieg weiterhin „eine Weltmacht“ zu bleiben.
Es gibt nur ein Szenario, in dem die USA versuchen könnte, dieses (in Wirklichkeit völlig unmögliche) Ziel zu erreichen. Dieses Szenario beinhaltet einen präventiven Atomschlag gegen die strategischen Nuklearstreitkräfte Russlands, der darauf abzielt, den Großteil der russischen Atomwaffen zu vernichten. Ein solcher Angriff kann nur mit den Trident-Raketen durchgeführt werden, die an Bord der U-Boote der Ohio-Klasse der US-Marine stationiert sind.
Zwar beharren US-Experten wie die Arms Control Association darauf, dass der Grundzweck weiterhin Abschreckung sei – nicht aktive Kriegführung. Der Einsatz sei auf „extreme Extremfälle“ (etwa, wenn die NATO gegen Russland verliert?) beschränkt. Und darauf soll sich Russland verlassen? Dies wäre aus den nachstehenden Gründen absolut naiv.
Erstens hat etwa der pensionierte Generalleutnant Keith Kellogg, der während der Präsidentschaft von Trump als nationaler Sicherheitsberater von Vizepräsident Mike Pence tätig war und jetzt Donald Trumps Sonderemissär in Kiew ist, vorgeschlagen, dass die USA alle ihre ballistischen Raketen-U-Boote einsetzen (!) sollten, um zu sehen, ob Putin „blufft“.
Und zweitens ist die nachstehend dargestellte bisherige blutige Geschichte der Taktik der Regimewechsel mit Mord und Totschlag durch die USA überall auf der Welt zu berücksichtigen.
Regimechange mit tödlichem Ausgang
Die Liste von westlichen Regimechange-Aktionen, die mit dem Tod eines amtierenden oder gestürzten Regierungschefs endeten, ist ein historisch belegbares Thema. Hier eine Auflistung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) solcher Fälle seit dem 20. Jahrhundert, wobei jeweils der westliche Einfluss (vor allem durch die USA, Großbritannien oder ihre Verbündeten) maßgeblich war:
Patrice Lumumba (Kongo, 1961), ehemaliger Premierminister des Kongo, wurde ermordet. Der Hintergrund war, dass nach der Unabhängigkeit des Kongo von Belgien, Lumumba wegen seiner Unabhängigkeitspolitik und vermeintlicher Sowjetnähe zur Zielscheibe westlicher Geheimdienste wurde. Die CIA und der belgische Geheimdienst unterstützten seinen politischen Gegner Mobutu. Lumumba wurde schließlich gefangen genommen, gefoltert und ermordet.
Ngo Dinh Diem (Südvietnam, 1963), ehemaliger Präsident von Südvietnam, wurde nach einem gegen ihn gerichteten Militärputsch ermordet. Der Hintergrund war, dass Diem wegen seiner unpopulären Herrschaft und repressiven Politik die Unterstützung der USA verlor. Die CIA unterstützte stillschweigend den Militärputsch, bei dem er getötet wurde.
Salvador Allende (Chile, 1973), ehemaliger Präsident von Chile, begang angeblich Suizid während des gegen ihn gerichteten Putsches. Allende war ein demokratisch gewählter Sozialist. Die USA (unter Nixon/Kissinger) unterstützten aktiv die Destabilisierung seiner Regierung. Beim Putsch des Militärs unter Pinochet (mit Unterstützung der CIA) nahm sich Allende angeblich während der Erstürmung des Präsidentenpalasts das Leben.
Saddam Hussein (Irak, 2006), ehemaliger Präsident des Irak. Er wurde „gerichtlich“ hingerichtet, nachdem ihn US-Truppen gefangen genommen hatten. Die US-geführte Invasion 2003 stürzte Saddam unter dem erlogenen Vorwand von Massenvernichtungswaffen. Er wurde später von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt und gehängt – unter US-Aufsicht.
Muammar al-Gaddafi (Libyen, 2011), ehemaliger Revolutionsführer und Staatschef. Er wurde nach einem Luftkrieg des Westens gefangen genommen und ermordet. Während des Arabischen Frühlings unterstützten westliche Staaten (NATO, insbesondere Frankreich, Großbritannien und die USA) die Rebellion gegen Gaddafi. Nach NATO-Luftangriffen auf seinen Konvoi wurde Gaddafi gefasst, misshandelt und getötet.
Ergänzende Fälle (ohne Todesfolge, aber gescheiterter oder versuchter Regimechange): Iran 1953 (Sturz von Premier Mossadegh durch CIA/MI6 – überlebte, aber blieb unter Hausarrest); Venezuela (mehrere Putschversuche gegen Hugo Chávez und Nicolás Maduro); Ukraine (Nachdem die ukrainische Regierung unter Präsident Wiktor Janukowytsch das Assoziierungsabkommen mit der EU kurzfristig nicht unterzeichnete und stattdessen die Beziehungen zu Russland vertiefen wollte, musste sich Janukowytsch nach Russland absetzen, um seiner Ermordung zu entgehen.); Syrien (Regimechange gegen Assad, der sich rechtzeitig nach Russland absetzen konnte); Enthauptungsschlag gegen die Hisbollah und der fehlgeschlagene Enthauptungsschlag gegen die Regierung des Iran.
Diese blutigen Ereignisse aus etwa 60 Jahren zeigen, dass es keinen Anlass gibt anzunehmen, dass sich die USA von diesen Methoden abwenden werden. Russland kennt diese Ereignisse und Weltgeschichte genau und wird sich entsprechend einstellen.
Donald Trumps Drohung mit Atom-U-Booten
Die vorerwähnte Ankündigung von Donald Trump vom 1. August 2025, zwei Atom-U-Boote „in den entsprechenden Regionen“, also in in Richtung russische Gewässer, zu positionieren bekommt vor diesem Hintergrund einen ernsten Charakter. Allerdings müssen auch hier die Fakten zusammengetragen werden.
Die Ohio-U-Boote der US Navy (die zukünftig durch die Columbia-Klasse ersetzt wird) sind nuklear angetrieben und können monatelang getaucht operieren, was sie extrem schwer ortbar macht. Ihre wichtigste Stärke ist die Unsichtbarkeit. Ihre Hauptmission: unentdeckt bleiben – deshalb meiden sie Küstennähe und seichte Gewässer. Sie operieren meist in großer Tiefe (>200 m) mit niedrigem Schallprofil, um Sonarerkennung zu vermeiden.
Die strategische Version der Ohio-Klasse (Ship, Submersible, Ballistic, Nuclear – SSBN) trägt bis zu 24 ballistische interkontinentale Submarine-Launched Ballistic Missiles (SLBM) vom Typ Trident-II-D5 mit mehrfachen nuklearen Sprengköpfen (MIRVs). Diese Raketen haben Reichweiten von über 11.000 km und können viele Ziele gleichzeitig treffen. Sie sind mit Festtreibstoff bestückt, müssen also nicht vor dem Start erst noch aufgetankt werden, sondern sind ständig sofort einsatzbereit.
In der nuklearen Strategie der USA (wie auch anderer Atommächte) ist das Prinzip des “Mutual Assured Destruction” (MAD) zentral. Ein potenzieller Gegner soll wissen, dass ein Atomangriff nicht ohne verheerende Vergeltung bleibt. Die Ohio-Boote sind dafür das zuverlässigste Mittel – weil sie auch nach einem Überraschungsangriff sehr wahrscheinlich überleben und zurückschlagen können. Daher werden sie auch als klassische Zweitschlagswaffen bezeichnet.
Die Missionszonen der amerikanischen strategischen U-Boote (vor allem der Ohio-Klasse SSBN) sind geheim, aber aus offen verfügbaren Quellen lässt sich ein ziemlich gutes Bild rekonstruieren, wo sich diese Boote typischerweise während ihrer Patrouillen aufhalten. Diese Zonen nennt man “Strategic Deterrent Patrol Areas” (Gebiete strategischer Abschreckungspatrouillen). Diese sind: Nordatlantik zwischen Nordamerika, Island und Norwegen; teils südlich von Grönland wegen der Nähe zu Russland (Nordmeer) und Europa; westlich von Norwegen, nördlich von Schottland (Beobachtung nordrussischer Flottenbewegungen); Arktisches Eismeer, gelegentlich unter Eis (aufwendig, aber höchste Tarnung, Annäherung an Nordrussland); Karibik & Westatlantik (Nähe zur Ostküste der USA, manchmal bis Bermudas, sicherer Rückzugsraum, ideal für unentdeckte Starts); Westpazifik, Philippinensee, nahe Marianengraben, zwischen Guam, Japan, Taiwan (Nähe zu China, Nordkorea und Russland); südchinesisches Meer; Beringsee / Aleuten, Nordpazifik, westlich von Alaska (Beobachtung russischer Pazifikflotte).
Erstschlags- oder Zweitschlagswaffe – eine Scheindebatte
Unsere Schlafmützenmedien und einige, durchaus ernsthafte Analysten versuchen, die Welt mit dem Argument zu beschwichtigen, diese Atom-U-Boote seien reine Zweitschlagswaffen und Russland (und der Rest der Welt, die Sorge vor einem Atomkrieg haben) müsse sich keine Sorgen machen, weil diese Waffe ja nur zur Verteidigung und Abschreckung eingesetzt werde, nachdem Russland zuerst atomar angegriffen habe. Dieses Märchen wird von berufenem Mund schlicht weggewischt.
John Bolton, der frühere Nationale Sicherheitsberater in der ersten Trump Administration sagt in einem Interview (an Minute 37:00) am 3. August 2025 auf CNN folgendes dazu:
„Und wie ich bereits sagte, sind ballistische Raketen-U-Boote zwar das Herzstück unserer Zweitschlagfähigkeit, sie sind aber auch perfekt geeignet, um Teil eines Erstschlags gegen Russland zu sein. Man kann also verstehen, dass die Leute im Kreml angesichts unserer Fähigkeiten offensichtlich immer nervös sind und glauben, dass Trump andeuten will, dass er einen Erstschlag in Betracht zieht, was noch gefährlicher wäre.“
Auch ohne vertiefte militärische Vorbildung kann man ohne weiteres verstehen, dass derartige Gerätschaften problemlos umprogrammiert werden können.
Propagandagetöse oder ernsthafte Bedrohung seitens Trump?
Scott Ritter hat in einem Gespräch mit Judge Napolitano am 1. August 2025 erläutert, welche Gefahren für den Weltfrieden diese Ankündigung von Trump bedeuten kann.
Ritter erläutert: Von den wahrscheinlich 14 vorhandenen U-Booten der Ohio-Klasse sind zwischen sechs bis neun einsatzbereit. Die anderen werden im Hafen gewartet und ausgerüstet bzw. befinden sich auf der Reise zu ihrem Zielort. Permanent sind im Minimum jeweils zwei im Atlantik und zwei im Pazifik vor Ort stationiert, wo ihre Raketen jede potentielle Bedrohung gegen die USA angreifen können. Bei bestimmten Anlässen, können zusätzliche U-Boote eingesetzt werden. Dies war beispielsweise kürzlich der Fall, als ein zusätzliches Boot der Ohio-Klasse in den Indischen Ozean beordert wurde, deren Trident Raketen mit ihren W76-2 Sprengköpfen mit niedriger Sprengkraft („low yield“) auf Befehl des Präsidenten den Iran hätten angreifen können. Es kam nicht dazu, aber die Vorbereitung war getroffen.
Wenn also Trump jetzt zwei solche zusätzliche Boote näher an die russischen Gewässer beordert, bedeutet dies eine ernsthafte zusätzliche Bedrohung für Russland, weil die Entfernung zum Zielort und damit die Vorwarnzeit für Gegenmassnahmen verkürzt wird. Zudem fliegen die ballistischen Raketen deshalb die Ziele mit einer viel flacheren Flugkurve an, was zusätzliche Probleme bei der Radarortung der Raketen verursacht.
Weitere Eskalationsschritte der USA auf europäischem Boden
Larry Johnson berichtet, dass General Christopher Donahue Mitte Juli 2025 während der Konferenz der Association of the US Army in Deutschland erklärte habe, dass die NATO und die mit den USA verbündeten Streitkräfte nun in der Lage seien, die russische Exklave Kaliningrad vom Boden aus in einem beispiellosen und viel schnelleren Zeitrahmen als











