Deutschland

Doktor-Betrüger Voigt regiert Thüringen mit ChatGPT

Doktor-Betrüger Voigt regiert Thüringen mit ChatGPT
Soll KI für eine Vielzahl seiner Reden verwendet haben: Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt

Thüringens Ministerpräsident Voigt wird vorgeworfen, für viele Reden KI verwendet zu haben. Tatsächlich weisen einige seiner Reden bizarre Sätze auf: Mal sinniert er über die geografische Nähe von Buchenwald und Weimar, mal sieht er sich im „Vermächtnis eines Anspruchs“.

von Günther Strauß

Mario Voigt soll als Ministerpräsident in zahlreichen Reden KI-generierte Texte verwendet haben – das zeigt eine Recherche der Transparenzplattform „Frag den Staat“. Nicht alle Formulierungen sind notwendigerweise vom Computer erstellt. Welche Bestandteile aus menschlicher Feder stammen ist oft unklar. Dass in der Staatskanzlei regelmäßig mit KI-Tools gearbeitet wird, hat die Behörde bereits zugegeben, auch in Bezug auf einen Gastbeitrag von Voigt in der Welt.

Die Reden, die nun offenbar auch zu großen Teilen aus KI-generierten Textbausteinen bestehen, sind ausgerechnet zu besonders unpassenden Anlässen geschrieben worden: Mal sprach der CDU-Politiker Voigt beim Staatsakt zum Tod seines Vorgängers Bernhard Vogel, mal beim Gedenkakt des Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus, mal bei einer Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald.

In diesen Reden finden sich zahlreiche Beispiele für groteske Formulierungen – beispielsweise als Voigt bei der Rede zum Tod von Vogel meinte: „Ich trete nicht nur in das Amt eines Vorgängers, sondern in das Vermächtnis eines Anspruchs.“ Über Vogels Aufwachsen in der NS-Diktatur meinte Voigt unterdessen: „Doch was ihn prägte, waren nicht nur die Trümmer der Städte. Es waren die Trümmer der Ordnung: ein Vaterland ohne Verlässlichkeit, ein politisches System ohne den Wert der Menschlichkeit.“

Auch über Vogels Politikstil sinnierte der Politikwissenschaftler, dem kürzlich der Doktortitel aberkannt wurde: „Wo Politik sich überhöht, verliert sie ihre Menschlichkeit. Wo sie Vollkommenheit behauptet, zerstört sie die Freiheit. Für Bernhard Vogel hieß Verantwortung: die Grenze des Machbaren zu achten – und darin das Eigentliche zu erkennen.“

Ähnlich sinnbefreit klangen viele von Voigts Aussagen bei seiner Rede im Landtag zum Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus. So beschreibt er die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten: „Es war kein lauter Moment. Keine jubelnden Menschenmassen, keine Siegesfanfaren. Stattdessen begegnete ihnen eine Stille, die durch das Grauen selbst geformt war.“

Auch für die Augen der befreiten Lagerinsassen fand Voigt Worte: „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief.“ Über das Vernichtungslager im Allgemeinen meinte der Ministerpräsident: „Auschwitz wurde zur Chiffre für den tiefsten Abgrund, den die Menschheit je erreicht hat.“ Was Chiffre in dem Kontext zu bedeuten hat, wird nicht deutlich. Und weiter: „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe.“

Wenige Monate später verwendete der CDU-Politiker den Satz mit den unendlich tiefen Augen erneut – und wieder zahlreiche sinnbefreite Redebausteine: An einer Stelle philosophierte der Ministerpräsident über die geografische Lage des KZ Buchenwald: „Buchenwald liegt nicht zufällig bei Weimar. Diese Nähe verweist auf eine Spannung, die sich nicht auflösen lässt. Hier die Stadt der Kultur, des Humanismus, der deutschen Klassik, dort ein Ort der Barbarei, der systematischen Entmenschlichung. Diese Konstellation ist kein Widerspruch. Sie ist eine Warnung, denn sie zeigt, dass Bildung und Kunst, ja sogar moralische Selbstvergewisserung, nicht immun machen gegen das Böse.“

An anderer Stelle meinte Voigt: „Auf dem Ettersberg wie an all den anderen Orten, überall wurde die Menschlichkeit nicht nur verletzt, sondern methodisch, bürokratisch, industriell verleugnet. Es waren keine Orte, an denen man zufällig die Augen verschloss. Das Wegsehen war die einfachste Form der Verleugnung der Menschlichkeit. Und diese Unmenschlichkeit ist es, die uns bis heute fassungslos macht.“

Auch in Voigts erster Neujahrsansprache als Ministerpräsident 2025 finden sich durchaus kuriose Stellen – so meinte der CDU-Politiker: „Da ist der Meister, der sein Wissen weitergibt. Da ist die junge Lehrerin, die neue Ideen einbringt. Da ist die Großmutter, die dem Enkel ihre Kniffe zeigt. Ich sage Ihnen offen: Genau das ist es, was wir brauchen. Nur wer weiß, woher er kommt, kann selbstbewusst in die Zukunft gehen.“

Nun ist freilich nicht klar, ob all diese bizarren Aussagen des Thüringer Ministerpräsidenten tatsächlich von einer KI erdacht worden sind – die Plattitüden deutscher Politiker sind manchmal ohnehin nur schwer von KI-generierten Aussagen zu unterscheiden. Voigt hat die Benutzung von KI zum Schreiben seiner Reden gegenüber „Frag den Staat“ nicht abgestritten – insgesamt sollen mindestens ein gutes Dutzend Reden und Artikel Voigts durch KI-Nutzung aufgefallen sein.

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