Deutschland

Traditions-Pharmaunternehmen wegen Russland-Sanktionen insolvent

Traditions-Pharmaunternehmen wegen Russland-Sanktionen insolvent
Der Unternehmenssitz von R-Pharm Deutschland in Illertissen.

Nach mehr als 175 Jahren wird der Arzneimittelhersteller R-Pharm in Illertissen in Bayerisch-Schwaben abgewickelt – rund 300 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Als Ursache für den Niedergang benennt der Insolvenzverwalter die geltenden Russland-Sanktionen.

von Manfred Ulex

Das R-Pharm-Werk in Illertissen hat keine Zukunft. Nachdem die R-Pharm Germany GmbH im Mai 2026 Insolvenz angemeldet hatte, ist nun klar: Neue Investoren, die bereit gewesen wären, die Produktionsstätte zu übernehmen, sind an der Finanzierung gescheitert, die Produktion wird stillgelegt.

Dies verkündete der zuständige Insolvenzverwalter in einer am vergangenen Mittwoch herausgegebenen Pressemitteilung. Damit verlieren rund 280 Mitarbeiter ihre Stellung. Für den Landkreis Neu-Ulm in Bayerisch-Schwaben ist das ein schwerer Schlag.

Grund ist das Zerwürfnis der EU und insbesondere Deutschlands mit Russland. Denn seit 2014 gehörte die Illertissener Firma zum russischen Pharmaunternehmen R-Pharm, dessen Haupteigentümer der Unternehmensgründer Alexej Repik ist. Während der Corona-Phase stellte die R-Pharm Germany einen Antrag für die Zulassung des in Russland entwickelten Impfstoffs Sputnik V. Zu einer Produktion in Deutschland kam es jedoch nie.

Die zunehmenden gegen Russland gerichteten Sanktionen und Handelsbeschränkungen führten letztendlich zum Aus für den Standort Illertissen. Man geht wohl nicht zu weit, wenn man die Firma aus Bayerisch-Schwaben zum Opfer der EU-Sanktionspolitik erklärt. Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Markus Fröhlich, der als Insolvenzverwalter für R-Pharm Germany fungiert, erklärte in der Pressemitteilung:

“Erschwert wurde die Investorensuche durch die schwierige wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens. Infolge der internationalen Sanktionen gegen Russland und der damit verbundenen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem russischen Gesellschafterkreis hatten sich in den vergangenen Jahren zunehmend Kunden und Geschäftspartner zurückgezogen. Die rückläufige Auftragslage belastete die Liquidität und den Produktionsbetrieb erheblich.”

Die Herstellung pharmazeutischer Produkte hat in Illertissen eine lange Tradition. Die Wurzeln des Werks gehen bis ins Jahr 1849 zurück. Im Jahr 1860 gründete der Ulmer Unternehmer Heinrich Mack eine Fabrikation in einer Illertissener Ölmühle und produzierte dort Seifen, Reisstärke und Drogerieartikel sowie Arzneien auf der Basis von Bienengift. Besonders bekannt und beliebt war lange Zeit der Badezusatz “Kaiser Borax”.

In den 1920er Jahren gelangte das Werk an die Memminger Fabrika