Nach der jüngsten Eskalation zwischen Riad und Doha versucht der Westen, mithilfe der Verschwörungstheorie über “russische Hacker” in Katars Nachrichtenagentur die Situation zu retten. Allerdings schwelte der Konflikt zwischen den Golfstaaten schon länger. Was steckt dahinter und wer verfolgt welche Absichten?
von Jürgen Cain Külbel
Hillary Clinton verliert eine Wahl, die fast unmöglich zu verlieren war: Der Russe ist schuld. Das Südsee-Atoll Kiribati versinkt im Meer: Der Russe ist schuld. Katar, ein Zwergstaat im Persischen Golf, der auf einer gewaltigen Erdgasblase sitzt, befindet sich in der Krise: Der Russe ist schuld. Für die Potentaten der westlichen Wertegemeinschaft™ und ihre Kettenhunde, die Mainstream-Medien, ist dieses omnipotente Mem mittlerweile zum Heiligen Gral ihrer Feindbildpropaganda geworden.
Zuletzt bediente sich der US-amerikanische Nachrichtensender CNN desselben. Unter Berufung auf US-Geheimdienstler tischt er folgende Story auf: Russische Hacker hätten Ende Mai 2017 eine Cyber-Attacke auf die Webseite einer staatlichen Nachrichtenagentur Katars durchgeführt und dort eine Falschmeldung platziert, die anschließend die gegenwärtige Krise am Golf ausgelöst hat. Beweise dafür liefert das Medium selbstverständlich nicht.
https://www.youtube.com/watch?v=mt-rjx7MG8I
Was war geschehen? Am 25. Mai 2017 um 12.14 Uhr tauchte auf der Webseite der Qatar News Agency (QNA) ein Kommentar von Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, auf. In diesem griff er die US-Außenpolitik an, plädierte für eine Zusammenarbeit mit dem Iran und forderte Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain dazu auf, ihre Haltung gegenüber seiner Regierung zu überprüfen. Al Thani, ein Vertreter des wahhabitischen Islam, eng mit der radikalen Ideologie der Dschihadisten verwandt, sprach von einer “unfairen Kampagne”, die mit dem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in der Region zusammenfiel und die darauf abziele, sein Land mit Terrorismus in Verbindung zu bringen.
Auch verzerre diese Kampagne, so der Emir, seine Bemühungen, Stabilität in der Region zu erzielen. Der Scheich betonte, die wirkliche Bedrohung sei das Verhalten einiger Regierungen, die den Terrorismus angezettelt hätten, indem sie eine extremistische Version des Islam annahmen, und fügte hinzu, dass die regionale und islamische Rolle des Iran nicht ignoriert werden könne. Es sei “nicht klug, Spannungen mit dem Iran zu eskalieren, dem Garanten für Stabilität im Nahen Osten”.

Experten der US-Bundespolizei FBI sollen nun den Server der QNA auf einen mutmaßlichen Hackerangriff untersucht und einen solchen bestätigt haben. Das hinderte jedoch Saudi-Arabien nicht, noch am Montag, dem 5. Juni 2017, aus dieser vermeintlichen “Falschmeldung”, an der inhaltlich wohl nichts auszusetzen ist, zu zitieren, um einen Grund zu haben, in einer offenkundig konzertierten Aktion gemeinsam mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jemen, Libyen, Ägypten alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abzubrechen.
Katars Mega-Deal mit Rosneft
Tatsächlich hat sich die Krise am Golf bereits seit Monaten zugespitzt. Doch was keiner weiß: Auch daran ist der Russe schuld! Denn: Obwohl Russland und Katar seit Jahren erbitterte Gegner im Krieg in Syrien sind, haben sie als die beiden führenden Erdgas-Exporteure in der Welt gemeinsame Interessen sowie gute Gründe, um in Fragen der Energiewirtschaft zusammenzuarbeiten.
So geschehen auch am 8. Dezember 2016: Moskau machte mit Katar einen Deal perfekt, der das kleine Königreich mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern quasi zu seinem “Verbündeten” beförderte: Der staatliche Ölkonzern Rosneft, das russische Kronjuwel, verkaufte an jenem Tage einen 19,5-Prozent-Anteil an Katar sowie den Rohstoffhändler Glencore für einen Betrag in Höhe von 10,5 Milliarden Euro. Durch diese Transaktion gelang es Rosneft-Chef Igor Sechin und Wladimir Putin, die “politischen Energien” der beiden größten Gas-Exporteure in der Welt untrennbar zu vereinen.
Im Gegenzug könnte das bedeuten: Katar lässt seine Dschihadisten in Syrien fallen, die Unterschiede in der Nahostpolitik werden begraben. Eine Quelle, die an den Verhandlungen teilnahm, wusste zu berichten:
„Die Idee war vielversprechend für Katar. Sie lieben es, in Energie zu investieren. Sie sahen zu Rosneft auf und erkannten, dass sie Beziehungen zu Russland aufbauen konnten, deren Bedeutung in der Nahostpolitik nur noch weiter steigen wird.“
Katar ist bis dato wahrhaftig als einer der finanzträchtigsten Förderer des internationalen Terrorismus aufgetreten – insbesondere in Syrien und Libyen. Im Februar 2014 gab der ehemalige libysche Premierminister Mahmud Dschibril gegenüber Al-Hayat preis, dass Katar von Anfang an der “libyschen Revolution” Bargeld und Waffen zur Verfügung gestellt hatte, auf den politischen Islam (sprich: ISIS) gebaut und außergewöhnliche Anstrengungen unternommen hat, um Abd al-Hakim Balhadsch zum Kommandeur der libyschen Revolutionäre zu ernennen.
Katar unterstützte islamische Extremisten von den Taliban bis zur Hamas
Balhadsch, der ehemalige “Emir” der libyschen islamischen militanten Gruppe LIFG, kämpfte in Afghanistan, wurde von den Amerikanern verhaftet, an Gaddafi übergeben und ins Gefängnis gebracht. Katar, so Dschibril, habe “den Ausbruch der Revolution in Tri










