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Finis Germania – Ein Buch, das für Schlagzeilen sorgt und alle Verkaufsrekorde bricht

Finis Germania – Ein Buch, das für Schlagzeilen sorgt und alle Verkaufsrekorde bricht

Ein Buch sorgt derzeit für Schlagzeilen wie kaum ein anderes: Finis Germania von Rolf Peter Sieferle. Bei Amazon ist es auf Platz 1 der Verkaufscharts gestürmt. NDR Kultur und die SZ nahmen es auf ihre Liste „Sachbücher des Monats“. Doch dann war das Buch plötzlich wieder weg.

Von Jürgen Fritz

Ein Buch sorgt derzeit für allerhand Schlagzeilen und Wirbel. Bei Amazon liegt es auf Platz 1 der Bestsellerliste. Auch in der aktuellen Ausgabe der monatlich vom NDR veröffentlichten Empfehlungsliste „Sachbücher des Monats“ findet es sich wieder. „Alle sprechen darüber, und das ist eigentlich das Schlimme daran“, meinte der Ober-Politologe Herfried Münkler, eine möchte-gern-intellektueller Merkelianer durch und durch, der Tiefgründigkeit und Stringenz der Gedankenführung bisweilen mit affektiertem Gehabe beim Sprechen verwechselt.

Münklerscher Mumpitz

Es handele sich bei Finis Germania um ein schlechtes Buch, so Münkler, das möglicherweise sogar strafrechtlich relevante Passagen enthalte und zutiefst von antisemitischen Vorstellungen getränkt sei. Undurchsichtig sei auch, wie viel von dem Text tatsächlich von Sieferle stamme und wie viel der Verleger hinzugefügt habe. Der böse „Spiegel“-Journalist Johannes Saltzwedel habe eine Lücke im Reglement eiskalt ausgenutzt und als einziger alle seine 20 Punkte diesem Buch gegeben.

Finis Germania – Ein Buch, das für Schlagzeilen sorgt und alle Verkaufsrekorde bricht
Buchtipp zum Thema: Finis Germania von Rolf Peter Sieferle

Dadurch habe er die Jury als Geisel genommen, um „hinterrücks und heimtückisch ein solches miserables Buch so weit vorne zu platzieren“, schwadronierte Münkler. Im Prinzip wären „alle anständigen Jury-Mitglieder davon ausgegangen, dass sie die 20 Punkte, die sie pro Monat zur Verfügung haben“, auf tendenziell vier Texte verteilen würden und nicht wie Saltzwedel dieser unanständige Mensch auf nur einen. So etwas aber auch!

Die sofortige Exekution des Delinquenten

Auf diesen „unanständigen Menschen“ haben „die Anständigen“, also solche Münkler-Typen dann entsprechend Druck ausgeübt, wie man das eben so macht heutzutage. Der unverschämte Delinquent, der es gewagt hatte, seine 20 Punkte diesem „schlechten Buch“ zu geben, wie der Möchte-gern-Intellektuelle Münkler und seine dritt-, viert- und fünftklassigen Spießgesellen im deutschen Feuilleton meinten, wurde natürlich sofort exekutiert. Dieser „unanständige Kerl“ wird in Zukunft keine 20 Punkte mehr vergeben, nicht mal mehr einen Zwanzigstel Punkt. Dafür hat man umgehend gesorgt.

Was Saltzwedel denn nur geritten habe, Sieferle zu empfehlen, meint irgendein FAZ-Feuilleton-Fuzzi namens Hannes Hintermeier. Nein, nicht Hinterwäldler, Hintermeier. Die Provokation sei angekommen, die Jury nun aber verkleinert. Haha! Die Sachbuch-Bestenliste jetzt aber beschädigt – oder besudelt? Heul, heul!

Argumentum ad hominem aus geistiger Armut heraus?

Was die Heinis und schwachen Geister aus der dritten, vierten, fünften Reihe des Intellekts in Wahrheit wohl mit am meisten aufregen dürfte: das Buch ist im Antaios-Verlag erschienen. Dieser aber gehört zur Gruppe um Götz Kubitschek in Schnellroda. Und das sind alles auch so „unanständige Kerle“, ja mehr noch: Rechte. Neurechte! Was von da komme, kann doch eigentlich gar nichts taugen. Eigentlich muss man das gar nicht erst lesen, um das zu wissen, oder?

So etwas habe „auf einer Liste empfohlener Bücher jetzt für den Gabentisch nichts zu suchen“, meint der Literaturkritiker der SZ Gustav Seibt, noch so ein „von Grund auf Anständiger“. Doch lassen wir mal diese „Anständigen“, die kein echter Intellektueller und auch sonst niemand auch nur im Entferntesten ernst nehmen sollte, anständig sein und widmen uns dem Buch selbst und seinem Autor.

Rolf Peter Sieferle

Rolf Peter Sieferle wurde 1949 in Stuttgart geboren, studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie. Er promovierte und habilitierte in Neuerer Geschichte, war Professor in Mannheim und St. Gallen. Sein Buch „Der unterirdische Wald“ von 1982 gilt als Standardwerk. Auch sein „Epochenwechesel – Die Deutschen an der Schwelle des 21. Jahrhunderts“ von 1994 gilt als bedeutendes Werk. Rolf Peter Sieferle, der an Krebs erkrankt war, nahm sich im September 2016 in Heidelberg das Leben. Er hinterließ zwei vollständige Manuskripte für zwei Bücher: Erstens Das Migrationsproblem – Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung, welches ich nur wärmstens empfehlen kann. Dieses Buch arbeitet seinen zuvor zu Lebzeiten veröffentlichen Essay Deutschland, Schlaraffenland, einer der besten, die ich jemals gelesen und über den ich hier schon ausführlich berichtet habe, weiter aus. Das zweite Buch aus dem Nachlass ist eben Finis Germania.

Finis Germania

Das kleine Büchlein besteht aus knapp hundert Seiten Fließtext, in welchem viele kleine Essays zusammengeführt sind, die teilweise eigenständig sind, sich teilweise aber auch zu einem Gesamten zusammenfügen. Hierbei handelt es sich oftmals um historische, aber auch kulturkritische, philosophische Reflexionen auf hohem, ja höchstem Niveau. Dieses Buch ist ganz anders als Das Migrationsproblem nicht leicht zu lesen. Die Abstraktionsebene ist teilweise immens, so dass es nicht wenig verwundert, wie ein derart anspruchsvolles Buch es auf Platz 1 der Bestsellerliste schaffen kann. Hier eine Kostprobe aus dem Essay: „Das Schicksal hat einen Namen“.

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