Wo Ulrich Siegmund auftaucht, gibt es Massenaufläufe und Jubelorgien. Gestern kamen Zehntausende nach Quedlinburg. Einen so beliebten Politiker hat es in Deutschland seit 1945 wohl nicht gegeben. Allerdings steigt auch die Fallhöhe des Polit-Superstars. Eine Analyse.
von Frank Hauke
Am Sonntag war gefühlt halb Quedlinburg auf den Beinen. Und die, die nicht dabei waren, werden von ihren begeisterten Nachbarn und Freunden hören, was der „Uli“ doch für ein sympathischer Kerl ist. Gar kein typischer Politiker, sondern volksnah, freundlich – so ganz anders halt.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund machte gestern nichts anderes, als eine Wahlkampfrede zu halten und mit einer Simson durch die 1100 Jahre alte 23.000-Einwohnerstadt im Landkreis Harz zu fahren. Hunderte folgten ihm auf Zweirädern. An den Straßenrändern und auf dem Platz, wo die Fahrt startete, standen geschätzt knapp Zehntausend und jubelten ihm zu. „Uli, Uli“-Rufe waren zu hören.
Das ist absolut krass@UtopiaTVGermany pic.twitter.com/bGV44SU5Ei
— Miró (@unblogd) August 23, 2026
Wo Ulrich Siegmund auch auftritt, herrscht in diesen Tagen vor der Landtagswahl am Sonntag in zwei Wochen eine Atmosphäre, die man von Wahlkämpfen lange nicht mehr kennt. Wann ist ein Politiker zuletzt so begeistert empfangen worden? Vielleicht war es Willy Brandt 1972. Vor 54 Jahren faszinierte der Kanzler die Massen – und seine SPD holte mit 45,8 Prozent der Stimmen so viele wie nie zuvor und nie wieder nachher.
Alles läuft für Ulrich Siegmund
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die AfD-Sachsen-Anhalt mit ihrem populären Spitzenkandidaten ein eben solches Ergebnis einfährt. Denn die Dynamik des Wahlkampfes läuft komplett für den 35-Jährigen. Er bewegt die Massen, ihm fliegen mit seiner für alle sichtbaren guten Laune die Herzen zu.

Seine besten Wahlhelfer sind nicht die knapp 4.000 AfD-Mitglieder in seinem Landesverband. Es sind die Menschen, die in den Kneipen und über den Gartenzaun für Siegmund authentisch Reklame machen, die ihre Begeisterung, die in diesem Wahlkampf überall spürbar ist, weitertragen. Dagegen dürften die von den NGOs aus ganz Deutschland losgeschickten Linksaktivisten, die nun an tausenden Haustüren in Sachsen-Anhalt klingeln, um vor dem „gefährlichsten Mann Deutschlands“ zu warnen, keine Chance mehr haben.
Die wohl wichtigste Information in der Spiegel-Titelgeschichte mit dieser umstrittenen Schlagzeile war, dass sich die Linke einen wie Ulrich Siegmund für ihre eigenen Reihen wünsche. Den anderen Parteien, die in den Meinungsumfragen nur noch die Fersen des AfD-Politikers sehen, dürfte es nicht anders gehen.
Die Euphorie um Ulrich Siegmund könnte sich in den verbleibenden 13 Tagen bis zur Wahl so zuspitzen, dass seine Partei tatsächlich die absolute Mehrheit gewinnt – eg









