Durch die Hintergründe und Absurditäten der Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin blickt keiner mehr so recht durch – und Afrikaner, die die Hauptstadt besuchen, schon gar nicht.
von Ulli Kulke
Nach langen Diskussionen in den Berliner Medien und Chatrooms sowie Streitigkeiten vor Gericht ist es nun vollbracht: Die Mohrenstraße im Berliner Bezirk Mitte wurde am Samstag, 23.8., umbenannt, in Anton-Wilhelm-Amo-Straße, auf Geheiß des Bezirksparlaments. Der Grund: Der Begriff „Mohr“ sei bei der Namensgebung (etwa 1720) rassistisch herabwürdigend gemeint gewesen. Einen Beleg dafür konnten die Betreiber der Umbenennung nicht beibringen. Doch die Gelegenheit war günstig, mal wieder durch veränderte Sprachregelungen die Welt zu retten.
Die Zeitgeschichte deutet eher auf die gegenteilige Lesart: Die Berliner war nämlich nicht die erste Mohrenstraße, die Gegenstand einer Umbenennung wurde. 1934 zum Beispiel, als die Nationalsozialisten in Coburg eine würdige Straße suchten, um sie in „Straße der SA“ umzutaufen, verfielen sie auf die dortige Mohrenstraße, prominent gelegen, aus dem Herzen der Stadt zum Bahnhof führend. Sie verlor also ihren alten Namen, und zwar aus „rassischen“ Gründen, wie das „Digitale Stadtgedächtnis“ des fränkischen Ortes schreibt. So viel Ehre sollte Afrikanern nicht mehr zugebilligt werden. Man darf also festhalten: In der Tilgung des Namens Mohrenstraße hat jenes Berliner Bezirksparlament mit seiner rotgrünen Koalition („Zählgemeinschaft“) ein würdiges Vorbild von vor 91 Jahren.
Spaß beiseite: Eines zeigt der Beschluss von 1934: Die Benennung einer Straße nach „Mohren“ wurde von Anfang an keinesfalls als Herabwürdigung angesehen, ganz im Gegenteil. In Coburg ziert ein offensichtlicher Afrikaner sogar das Stadtwappen, der „Coburger Mohr“, der den heiligen Mauritius darstellt. In Berlin wurde die Straße wohl um 1720 angelegt und nach dort lebenden schwarzen Afrikanern benannt, die im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert nach Berlin gekommen waren. Unter den von Historikern diskutierten verschiedenen Varianten von Herkunft und Tätigkeiten jener Afrikaner in Berlin gibt es keine einzige, die Anlass dafür böte, dass der Straßenname – und damit auch der Begriff „Mohr“ – despektierlich gemeint gewesen sein könnte.
Eine solche Vorstellung wäre in jedem Fall widersinnig. Ausgerechnet inmitten eines Stadtviertels, in dem die Namen von Angehörigen der Hohenzollern wie Friedrich, Wilhelm, Georg, Dorothee, und wie sie alle










