Kein Empfinden für integrative Symbolik: Bundesgrüßaugust Frank-Walter Steinmeier versinnbildlicht die bundesrepublikanische Selbstvergessenheit. Über Anbiederung, falsche Bescheidenheit und den Mangel an Selbstrespekt im politischen Berlin.
von Thorsten Hinz
Von der Präsidentschaft des Frank-Walter Steinmeier wird außer dem Gefühl von Leere nicht viel bleiben. Höchstens die Erinnerung an Peinlichkeiten und Mißgriffe wie jetzt in Istanbul, wo er am mitgebrachten Riesendöner herumsäbelte. Es ist zum Fremdschämen: Das deutsche Staatsoberhaupt reimportiert als Gastgeschenk türkisches Fast Food, das in Deutschland mit der Bratwurst und dem Hamburger konkurriert. Das ist taktlos gegenüber den Türken, die sich auf ein primitives Klischee reduziert sehen. Die Taktlosigkeit fällt auf Deutschland zurück.
Der Präsident hatte einen freundschaftlichen Brückenschlag beabsichtigt, was die Sache eher noch schlimmer macht. An die Adresse türkischer Gastarbeiter richtete er die Worte: „Sie haben unser Land mit aufgebaut.“ Zwischen diplomatischer Höflichkeit, die sich der Schmeichelei bedient, und plumper Anbiederei klafft ein Abgrund. Nicht die Bundesrepublik, sondern die Türkei hatte auf das 1963 geschlossene Anwerbeabkommen gedrängt. Die Bundesregierung gab nach, nicht zuletzt weil es um die Stabilisierung des Nato-Partners ging.
Noch blamabler wurde es, als der Bundespräsident sich um ein originelles Sprachbild bemühte: „Sie sind nicht Menschen mit Migrationshintergrund – Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund.“ Er erklärte sich zum Präsidenten eines „Mihigru“-Landes, in dem die einheimischen Deutschen, die dem Land die Attraktion verliehen haben, die es für Migranten so anziehend macht, keine besondere Rolle mehr spielen. Die Türken, denen ein großer Nationalstolz eigen ist, werden das als Bestätigung sehen, daß es Deutschland an Selbstachtung und Behauptungswillen fehlt und sich überlegen, welche politischen und sonstigen Vorteile sie daraus ziehen können.
Steinmeier verdoppelt die Peinlichkeiten der Minister
Der Bundespräsident ist laut Grundgesetz dem politischen Tagesgeschäft enthoben, was es ihm erlauben soll, über innenpolitische Gezeitenwechsel hinweg im Ausland die Würde, die Kontinuität, die Souveränität









