Nachdem der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sven Hüber, Tausende Polizeibeamte zum Putsch gegen eine mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt aufgerufen hatte, versuchte ein Nutzer, Hübers Wikipedia-Eintrag zu schönen – und dessen Vergangenheit als DDR-Politoffizier der Grenztruppen herunterzuspielen.
von Olli Garch
Seit Tagen sorgen die Forderungen von Sven Hüber, des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Polizei in Sachsen-Anhalt solle aktiven Widerstand gegen eine mögliche AfD-Landesregierung leisten, und seine wirren Spekulationen über einen „inneren Notstand“ in der Bundesrepublik, weiterhin für Entsetzen – nicht nur, weil er damit in eklatanter Weise gegen sein Neutralitäts- und Mäßigungsgebot als Beamter verstieß, sondern, weil hier ein ehemaliger Politoffizier der DDR-Grenztruppen und damit ein hohes Mitglied des SED-Regimes just 65 Jahre nach dem Bau erneut nach repressiven Staatsmaßnahmen gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit plärrt, wie er dies bereits im letzten deutschen Unrechtsstaat tat. Dass Hüber nach der Wende seine Laufbahn nahtlos in der Bundespolizei der BRD fortsetzte, die er zuvor als “Instrument der imperialistischen Macht- und Herrschaftssicherung“ verunglimpft hatte, und dort sogar innerhalb kürzester Zeit zum hohen Funktionär aufsteigen konnte, ist mindestens so ungeheuerlich wie das, was er für den Fall eines Wahlsiegs der Opposition propagiert. Sein öffentlicher Aufruf zum Ungehorsam gegen eine noch nicht einmal gewählte AfD-Landesregierung hat das Schlaglicht auf ebenso bemerkenswerte wie skandalöse Karriere nun wieder bundesweit bekannt gemacht.
Die GdP bemüht sich nun um Schadensbegrenzung – und ist offenbar bestrebt, den Wikipedia-Lebenslauf ihres kurz vor dem Ruhestand stehenden Vize-Chefs zu frisieren, bevor das öffentliche Interesse an dem Fall überhand nehmen könnte. Der Rechtsanwalt Ralf Höcker wies in diesem Zusammenhang nun darauf hin, dass nun Hübers „Wikipedia-Vergangenheit gerade intensiv umgeschrieben“ werde. Der Bearbeiter, der diese Änderungen vornehme, schreibe: „Ich habe den Beitrag auf Wunsch unserer Geschäftsführung verändert und aktualisiert (Ich arbeite bei der Gewerkschaft der Polizei)“.
Vergebliche Schadensbegrenzung
Die Änderungen umfassen den Zusatz, Hüber sei ein ehemaliger „deutscher“ Politoffizier der DDR-Grenztruppen; weitere Ergänzungen sind die Begriffe „Bundespolizist“ und „stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei“. Ob der mit diesen durchschaubaren Entschärfungen betraute Bearbeiter tatsächlich der GdP angehört und ob und wann die Änderungen offiziell in Hübers Wikipedia-Eintrag übernommen werden, ist derzeit noch unklar. Jedenfalls ist es bemerkenswert, dass es hier jemand für nötig hält, überhaupt tätig zu werden, zufällig nachdem Hüber (und mit ihm die GdP) bundesweite Aufmerksamkeit erhalten haben. Bei der Gewerkschaft dürfte man so oder so nicht allzu glücklich über Hübers öffentlichen Vorstoß sein, die Licht auf diese mehr als empörende Personalie wirft: Es hagelt Kritik in den Medien, auch in denen, die nicht für ihre AfD-Sympathien bekannt sind, etwa von Verfassungsrechtlern und auch von Heiko Teggartz, dem Bundesvorsitzenden der rivalisierenden weniger linkslastigen Deutschen Polizeigewerkschaft.
Sven Hübers Wikipedia-Vergangenheit wird gerade intensiv umgeschrieben – angeblich auf Geheiß der GdP-Geschäftsführung
— Ralf Höcker (@Ralf_Hoecker) August 13, 2026
Auf Wikipedia ist aktuell jemand sehr bemüht, Sven Hübers Lebenslauf umzuschreiben. Es lohnt sich, in der Versionsgeschichte zu vergleichen, was herausfallen… pic.twitter.com/r3EpCxMMJg
Dass sich ausgerechnet ein Ex-DDR-Politkommissar, der im berüchtigten Grenzbataillon 33 (das kurz vor der Wende mit der Erschießung Chris Gueffroy für den letzten Mauertoten sorgte) tätig war und bis zuletzt als Einpeitscher und Instruktor dafür sorgte, jungen Grenzschutzbeamten bis zuletzt den Schießbefehl gegen “Republikflüchtige” einzubimsen, 37 Jahre später erneut zum Republikschützer “unserer Demokratie™“ aufwirft und den notfalls gewaltsamen Putsch von oben gegen eine unliebsame gewählte Regierung beschwört, indem er seine Kollegen zum Ungehorsam aufruft, ist beispiellos. Hüber hat seiner Truppe damit einen riesigen Bärendienst erwiesen und gehört sofort aus dem Dienst entfernt – egal, was auf Wikipedia beschönigend und verharmlosend über ihn zu lesen ist.

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