Behörden auf allen Ebenen haben im Fall des CSD-Attentäters Abdul Ballout versagt. Die Sicherheitsbehörden gaben die Einstufung als „Gefährder“ nicht weiter. Der Richter glaubte Ballouts Distanzierung vom IS, obwohl er im Gefängnis den Islam predigte.
von Marie Rahenbrock
Abdul Ballout war 19 Jahre alt, als er sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ in Syrien anschließen wollte. Das wussten deutsche Behörden und stellten ihn genau dafür vor Gericht. Trotz einer Fülle an Beweismaterial, Warnungen und Ermittlungserkenntnissen landete er dann auf freiem Fuß – und erhielt so die Chance, einen tödlichen Anschlag im Herzen der Bundeshauptstadt zu verüben.
Durch den Anschlag auf den CSD in Berlin starb eine Frau, 31 weitere Personen wurden verletzt. Ballout verfasste vor der Tat ein Video, in dem er sich zum „Islamischen Staat“ bekannte. Beinahe einen Tag lang war er dann noch auf der Flucht, ehe er vom SEK erschossen wurde, als er mit einem Messer auf die Polizisten losging.
Sieht man sich den Lebenswandel von Abdul Ballout an, ist es die Geschichte eines islamistischen Überzeugungstäters. Doch sieht man sich das Handeln der Behörden an, ist es auch die Geschichte eines Versagens staatlicher Stellen: eines Jugendgerichts, das die oberflächliche Distanzierung des jungen Erwachsenen vom „Islamischen Staat“ glaubt – obwohl Ballout im Gefängnis andere Inhaftierte für den Islam gewinnen wollte; von Sicherheitsbehörden, die den Deutsch-Libanesen zwar als „Gefährder“ einstuften, aber wichtige Informationen nicht an andere Behörden wie das Jugendamt weitergaben; von Polizisten, die die engmaschige Observation nach wenigen Tagen wegen Personalmangels wieder einstellten, weil es keine Auffälligkeiten gab.
Aber von Anfang an: Bereits als Erstklässler soll Abdul Ballout aggressiv gewesen sein, wie die Berliner Morgenpost unter Berufung auf Akten aus dem Umfeld der Jugendhilfe berichtet. Er wechselte die Grundschule zweimal. Das Jugendamt begleitete die Familie über mehrere Jahre, doch diese verweigerte oft die Kooperation. Seine schulischen Leistungen wurden schlechter, schließlich schrieb er auf der weiterführenden Schule nur noch Sechsen und blieb dem Unterricht immer öfter fern.
Ihm wurde ein Förderbedarf diagnostiziert. Die Mutter, bei der er lebte, soll streng religiös sein, während der Vater laut Informationen aus Sicherheitsk













