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Thüringen: Neue schwere Vorwürfe gegen Doktor-Betrüger Voigt

Thüringen: Neue schwere Vorwürfe gegen Doktor-Betrüger Voigt
„Plagiatsjäger“ Stefan Weber: Er wirft Ministerpräsident Mario Voigt (links) vor, seit mindestens 20 Jahren zu plagiieren.

In Thüringen könnte es schon bald vorgezogene Neuwahlen geben, nämlich dann, wenn Mario Voigt endlich zurückgetreten ist. Nun gibt es neue schwere Vorwürfe gegen den CDU-Ministerpräsidenten. Der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber wirft Voigt vor, seit mindestens 20 Jahren zu betrügen.

von Günther Strauß

Der als „Plagiatsjäger“ bekanntgewordene Kommunikationsforscher Stefan Weber hat Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) zahlreiche neue Plagiate in seiner Doktorarbeit vorgeworfen. „Mario Voigt ist ein Wissenschaftssimulant. Er ist längst reif für den Rücktritt. Und ich denke, dass er das auch selbst weiß. Er spielt auf Zeit. Und er erzählt der Bevölkerung etwas ganz anderes“, schrieb Weber auf seiner Webseite, wo er 125 bisher nicht bekannte mutmaßliche Plagiate aufführt. Zeitgleich stellte Weber sein Gutachten auf einer Pressekonferenz der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen vor.

Insgesamt soll die Doktorarbeit 265 Plagiatsfragmente beinhalten. „An einer Stelle hat Mario Voigt in einem programmatischen Beitrag zu den Werten der CDU sogar einen – wie anzunehmen ist: eher linken – Spiegel-Journalisten plagiiert. An einer anderen Stelle hat er von fünf Absätzen hintereinander aus ‘Wikipedia‘ plagiiert und die Stelle mit einer Fußnote zu einem Kinderbuch garniert“, berichtet Weber.

Die Untersuchung ergab demnach, dass Voigt „schon seit mindestens 20 Jahren“ plagiiert habe. „Denn Plagiate wurden auch in fünf anderen Veröffentlichungen von Mario Voigt gefunden. Die älteste stammt aus dem Jahr 2004.“ Zudem kündigte Weber an, dass er und sein Team „die Zahl weiter steigern könnten“.

Höcke fordert Rücktritt von Voigt

Für den Fraktionsvorsitzenden der AfD im Thüringer Landtag, Björn Höcke, sind Voigts Plagiate kein Versehen. „Texte wurden übernommen, Quellenfehler mitkopiert, Interviewverweise vorgeschoben und wissenschaftliche Eigenleistung offenbar nur behauptet. Voigt hat der Öffentlichkeit gesagt, der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei unstrittig.“ Ein Ministerpräsident, „der so mit Wahrheit und Verantwortung umgeht“, sei untragbar. „Mario Voigt muss zurücktreten.“

Voigts Doktorgrad bereits entzogen

Nach dem ersten Gutachten von 2024, bei dem der „Plagiatsjäger“ 140 Fehler entdeckt hatte, prüfte die Technische Universität Chemnitz selbst die Doktorarbeit des Ministerpräsidenten. Über ein Jahr lang prüfte die zuständige Fakultät nach den universitätsinternen Regeln den Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten.

Schließlich entzog die Universität Voigt Anfang 2026 den Doktorgrad. Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag gab anschließend bei Weber das neue Gutachten in Auftrag.

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