Hamado Dipama, Rundfunkratsmitglied beim Bayerischen Rundfunk, ist derzeit durch sein Eintreten gegen die Meinungsfreiheit und den Kampf gegen Journalisten, die Kritisches über deutsche Migrationspolitik berichten, in den Medien präsent. Damit ist er zwar nicht allein, aber er ist ein beispielhafter Vertreter des neuen Deutschland der verschobenen Maßstäbe.
von Peter Grimm
Seit einigen Tagen ist Hamado Dipama, Rundfunkratsmitglied beim Bayerischen Rundfunk, vor allem in aller Munde, weil er die Staatsanwaltschaft animierte, gegen die Kollegen von Apollo News zu ermitteln. Die hatten sich bekanntlich erfrecht, Kritisches über den Mann zu schreiben. Und weil manche Leser das ebenfalls kritisch kommentierten, möchte sich die Staatsanwaltschaft offenbar auch um die Leser kümmern. Darüber wurde bereits in den letzten Tagen viel berichtet. Doch Herr Dipama verdient noch eine besondere Würdigung. Er verkörpert jenes neue Deutschland der immer enger gezogenen „Grenzen des Sagbaren“, das Stück für Stück die althergebrachte Grundrechts-Bundesrepublik ersetzt, in besonderer Weise. Selbstverständlich nicht deshalb, weil ihm eine afrikanische Herkunft anzusehen ist, sondern wegen des eigenwilligen Fundaments, auf dem sein Einfluss und seine kleine Macht gebaut sind.
Vor 24 Jahren kam Hamado Dipama aus Burkina Faso nach Deutschland. Eigener Darstellung zufolge wurde er als Student, der sich gegen das damalige Regime in seiner Heimat auflehnte, politisch verfolgt. Deutsche Behörden glaubten ihm seine Geschichte augenscheinlich nicht so ganz, weshalb sein Asylantrag abgelehnt wurde. Als „abgelehnten Asylbewerber“ möchte er sich aber nicht bezeichnen lassen. Sein Bleiberecht hat er sich schließlich durch geschickte Nutzung einschlägiger Gruppen und Gremien nachhaltig ertrotzt – spätere Einbürgerung inklusive, wie es heißt. Allerdings wird nirgends darüber berichtet, dass er dazu erfolgreich vor Gericht gegen den negativen Asylbescheid vorgehen musste. Insofern scheint es, dass es eine weitere Prüfung seines Asylanspruchs nicht gegeben hat. Er konnte bleiben, dank einer Duldung, der eine Aufenthaltsgenehmigung folgte, und am Ende gab es einen deutschen Pass.
In diesen 24 Jahren bereicherte er sein Aufnahmeland zwar nicht durch wertschöpfende Arbeit, dafür aber durch engagierte Tätigkeiten als Anti-Rassismus-Aktivist und Unterstützer von Asylantrags-Zuwanderern. AGABY, die Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns, beschreibt sein Wirken in Deutschland so:
„Hamado ist 2002 aus Burkina Faso nach Deutschland geflohen und neun Jahre lang lebte er mit dem Status der Duldung. Seit 2007 ist er Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats und engagiert sich auf vielfältige Weise politisch für die Belange von Geflüchteten, Migrant*Innen und insbesonderes Schwarze Menschen in Deutschland. Er ist Gründer des Arbeitskreis Panafrikanismus München e.V., sowie Mitbegründer des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland. Seit 2010 ist er in den Migrationsbeirat der LH München gewählt. Von 2011 bis Januar 2019 im Vorstand der Dachverband der Migrationsbeiräte in Bayern AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns) tätig und seit Februar dessen Referent für Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit. Seit 2011 Mitglied des Bundeszuwanderung und Integrationsrat als einer der 6 Delegierte aus Bayern. Und seit 1. Mai 2017 Mitglied im bayerischen Rundfunkrat.“
Flug nach München oder nach Paris?
Mit dem richtigen ideologischen Rückenwind segelte Hamado erfolgreich seinen Weg durch die Gremien aus der deutschen Fördermittellandschaft. Eines hat er offenkundig schnell gelernt: Solange er seine Trümpfe als Rassismus-Betroffener, Diskriminierter und „Geflüchteter“ richtig ausspielt, kann einem wie ihm eigentlich niemand erfolgreich widersprechen. Und als dies dann doch plötzlich öffentlich geschah, nahm sich Dipama ein Beispiel am Umgang vieler heutiger deutscher politischer Führungskräfte mit Kritikern und rief nach dem Staatsanwalt.
Doch kommen wir kurz zurück zu seinem Weg nach und seinen Anfängen in Deutschland. Da der Mann auf Berichterstattung über ihn offenbar recht sensibel reagiert, lassen wir ihn hier am besten selbst zu Wort kommen. In einem Interview mit Mathilde ter Heijne äußert er sich 2019 dazu so:
„Wir haben uns damals als Student*innen organisiert, um gegen die Diktatur in Burkina Faso zu protestieren. Wir konnten nicht mehr nach Hause, weil wir gesucht wurden. Die führenden Köpfe der Bewegung wurden bedroht und terrorisiert. Viele Freund*innen sind damals verschwunden oder wurden ermordet. Es war eine schwierige Zeit. Meine persönliche Situation wurde so prekär, dass ich gedacht habe, ich muss außerhalb des Landes, Burkina Faso, weitermachen. Das Ziel war noch nicht Europa, sondern ich musste erstmal weg. Ich war ein privilegierter Flüchtling, weil ich in Mali Kontakte hatte, während andere Geflüchtete in der Wüste leiden mussten. Auf diese Weise, mit Hilfe der Kontakte in Mali, konnte ich einen Flug nach Deutschland nehmen.“
Die Frage, warum er eigentlich nicht in Mali bleiben konnte, wurde ihm wahrscheinlich nicht gestellt. Warum auch? Es ist nachvollziehbar, dass sich ein junger Mann bei der Wahl zwischen einem Exil in Mali und einem Flug nach Deutschland für Deutschland entscheidet. Ist es kleinkrämerisch, zu vermerken, dass seine Erzählung im Deutschlandfunk vier Jahre zuvor im Detail ein klein wenig anders ausgeschmückt war?
„Hamado Dipama floh über die Grenze nach Mali und dann per Flugzeug nach Paris. Doch in Frankreich, der ehemaligen Kolonialmacht, wollte er nicht bleiben. ‚Als ich in Paris angekommen war, habe ich ein Taxi genommen, habe den Taxifahrer einfach gefragt: Zu welchem Bahnhof können Sie mich bringen, dass ich außerhalb Frankreichs fahren kann? Ich hatte auch Deutschland nicht im Kopf, mir war einfach wichtig, außerhalb Frankreichs – und der erste Zug war nach München.‘“
Eines aber bleibt festzuhalten: Zu den Allerärm











